Podcast: Afro & deutsch #2 >>Audre Lorde & der Schwarze Feminismus<<

In dieser Folge begibt sich Hannan Rahmounie auf die Spur der US-amerikanischen Feministin Audre Lorde, um so deren Einfluss auf die Schwarzen Frauenbewegung in Deutschland nachzuvollziehen. Ein Gespräch mit Marion Kraft: Literaturwissenschaftlerin und lebenslange Freundin von Lorde.

Berlin, 1984: es herrscht ein kalter Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion. Als Folge des zweiten Weltkriegs ist die Stadt geteilt. In diesem Jahr 1984 verschlägt es auch die US-amerikanische Autorin und Feministin Audre Lorde in die Stadt. Sie ist in Berlin, um eine Gastprofessur am “JFK Institut for North American Studies” anzutreten. Auch Jahre nach dieser Professur wird sie die Stadt immer wieder besuchen und so zu einer Quelle der Inspiration für Schwarze Menschen in Deutschland werden. In der zweiten Folge von Afro & deutsch geht es daher um Audre Lorde und ihren Einfluss auf die Schwarze Frauenbewegung in Deutschland. Im Gespräch mit Marion Kraft: Literaturwissenschaftlerin, Autorin und lebenslange Freundin von Lorde, zeichnet der Podcast ein Porträt von Lordes Zeit in Berlin.

Afro & deutsch #2 >>Audre Lorde & der Schwarze Feminismus<<

Als Tochter zweier Imigrant*innen wuchs Lorde im Harlem der 30er und 40er Jahre auf und erlebte dort als Kind den massiven Rassismus, der zu dieser Zeit herrschte. Sie engagierte sich früh in der Bürgerrechtsbewegung sowie in der US-amerikanischen Frauen- und Lesbenbewegung.

Bereits als Kind schrieb Lorde Gedichte. Später arbeitete sie als Bibliothekarin und Dozentin für kreatives Schreiben. Lyrik war für Lorde nicht nur ein Weg des persönlichen Ausdrucks, sondern auch immer ein Mittel des politischen Kampfes. Ihre Essays und Gedichte sind heute weltbekannt und dienten als Inspirationsquelle vieler weiterer Schwarzer Schrifsteller*innen, wie zum Beispiel May Ayim.

Eine Ikone des Schwarzen Feminismus

Besonders für den Schwarzen Feminismus spielten Lordes Texte eine besondere Rolle, betonte sie doch immer die Bedeutung der unterschiedlichen Lebensrealitäten Schwarzer und weißer Frauen. Sie wies auf die blinden Flecken innerhalb der weißen Frauenbewegung hin, die sich ihrer Meinung nach den selben Mechanismen bediente wie die Männer, die sie zu bekämpfen suchte, um Schwarze Menschen zu diskriminieren. Diese Unterschiede in den Lebensrealitäten galt es für Lorde anzuerkennen und als Inspirationsqulle zu nutzen, hin zur Erschaffung einer gerechteren Welt.

Die Berliner Jahre

Während Lordes Zeit in Berlin initiierte und begleitete sie die Entstehung der Schwarzen Frauenbewegung in Deutschland. Anders als in den USA gab es in Deutschland in den 80er-Jahren noch keine politische Organisierung Schwarzer Menschen. Die meisten Schwarzen Menschen lebten sehr vereinzelt innerhalb der weißen Mehrheitsgesellschaft. Lorde ermutigte die Schwarzen jungen Frauen, die sie in Berlin kennenlernte auf andere Schwarze Menschen zuzugehen. So entstand eine erste Gruppierung Schwarzer Menschen, aus der schließlich die “Initaitve Schwarzer Menschen in Deutschland” (ISD) und das kulturpolitische Forum “Schwarze Frauen in Deutschland” (ADEFRA) entstand. Beide Initativen gibt es noch heute.


Credit: China Hopson

Marion Kraft ist Literaturwissenschaftlerin, Autorin und lebenslange Freundin von Audre Lorde. Als Übersetzerin hat sie einige von Lordes Werken ins Deutsche übersetzt. Ihre inspirierende Beziehung zu Audre Lorde kann man in ihrem Buch “Empowernment und Widerstand. Inspirierende Begegnungen mit Audre Lorde” nachlesen.

(Fotocredit: China Hopson)

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