In oder über

by Oliver Espace // print // german translation

Leipzig ist nicht immer so offen wie es scheint. So kann man sich fühlen, als würde man über allem schweben. Unser Autor gibt einen Einblick in seine ganz persönlichen Erfahrungen und Wünsche für die Stadt.

photo by Oliver Espace

Seit über zehn Jahren lebe ich in Leipzig. Vom ersten Tag an wurde ich in eine Blase gesteckt, in der nur Menschen aus meine Heimatland existieren. Als ich nach drei Monaten realisierte, dass das nicht das Leben ist das ich mir wünschte, verließ ich diese Blase.

Leipzig unterscheidet sich von anderen Städten in Sachsen darin, dass vieles hier sehr oberflächlich daher kommt. Wenn ich in Berlin bin fühle ich mich „in“ Berlin. In Leipzig habe ich hingegen das Gefühl, dass ich über allem schwebe. Man existiert aber man versucht ständig Teil einer Blase zu sein um sich richtig „in“ Leipzig zu fühlen. Ich habe es noch immer nicht hundertprozentig hinbekommen. Als Komponist und Fotograf lässt es sich sehr gut alleine im stillen Kämmerchen arbeiten. Sobald ich in Berlin bin, gehe ich viel öfter und gerne raus.

photo by Oliver Espace

Das bedeutet nicht, dass ich die Stadt nicht mag. Sie hat einfach ihre Möglichkeiten, Menschen zu verbunden, noch nicht vollends ausgeschöpft. Vor ein paar Jahren, als sich das Mdbk gerade zu einem belebten Ort entwickelte, trat der Direktor zurück. Heute ist es wieder ein toter Ort im Stadtzentrum geworden. Es gibt keine Abendveranstaltungen mehr und es steht da als Institution, die nicht viele interessiert. Eingerahmt von neuen Gebäuden und vielen Hotels. Man fühlt sich, als würde man „über“ Leipzig leben, weil man hier nur schwer ankommt und nur schwer durch die Oberflächlichkeiten dringt.

photo by Oliver Espace

Wenn ich in Berlin umherwandere um Sounds aufzunehmen, kann ich offen mit interessierten Menschen sprechen (ein deutscher Punk in fließendem Englisch). Offenheit sollte Oberflächlichkeit ausstechen, nicht andersherum. In unserer Stadt gibt es immer noch viele ungesehene Mauern zwischen den Menschen. Ein bubble-tea-shop kann mehr Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenbringen als ein Museum.

Ich sehe viele positive Entwicklungen, aber eine belebte Stadt darf nicht aufhören, den Menschen Möglichkeiten zu bieten. Ich möchte in einer Stadt leben, in der sich Menschen verbunden fühlen können und sich nicht voneinander abspalten aufgrund von Barrieren irgendeiner Art.

photos by Oliver Espace

Translation by Till

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